Heizöl-Sorten: EL, EL schwefelarm, Premium
Die drei gängigen Heizöl-Sorten
Heizöl ist nicht gleich Heizöl. In Deutschland werden hauptsächlich drei Qualitätsstufen angeboten, die sich in Schwefelgehalt, Zusatzstoffen und Preis unterscheiden. Die Wahl der richtigen Sorte beeinflusst den Wartungsaufwand, die Lebensdauer der Heizanlage und die Umweltbelastung. Der aktuelle Durchschnittspreis für schwefelarmes Heizöl EL liegt bei 112,50 €/100 l bei einer Bestellmenge von 3.000 Litern.
Heizöl EL (Standard)
Die Bezeichnung EL steht für „extra leichtflüssig" und grenzt das leichte Heizöl von schwerem Heizöl (HEL) ab, das in der Industrie verwendet wird. Standard-Heizöl EL ist die einfachste und günstigste Sorte. Der Schwefelgehalt darf bis zu 1.000 mg/kg (0,1 %) betragen. In der Praxis wird diese Sorte kaum noch angeboten, da sie von der schwefelarmen Variante fast vollständig abgelöst wurde. Die Norm DIN 51603-1 regelt die Qualitätsanforderungen, darunter Dichte, Flammpunkt, Heizwert und Kälteverhalten.
Heizöl EL schwefelarm
Schwefelarmes Heizöl EL hat einen maximalen Schwefelgehalt von 50 mg/kg (0,005 %) – das ist nur ein Zwanzigstel des Grenzwerts der Standardsorte. Es ist heute die Standardsorte am Markt und wird von praktisch allen Händlern als Basisprodukt angeboten. Vorteile gegenüber dem herkömmlichen EL:
- Weniger Rußbildung und sauberere Verbrennung – der Düsenstein muss seltener gereinigt werden
- Geringere Versottungsgefahr im Abgassystem, da weniger Schwefeloxide im Abgas entstehen
- Längere Intervalle zwischen den Kesselwartungen (in der Regel 1× jährlich statt 2×)
- Voraussetzung für den Betrieb moderner Öl-Brennwertkessel, die den Abgaswasserdampf kondensieren
- Geringerer Verschleiß an Düsen, Zündelektroden und Wärmetauscher
Der Preisaufschlag gegenüber Standard-EL ist minimal – oft nur 1 bis 2 Cent pro Liter. Moderne Ölbrennwertgeräte benötigen schwefelarmes Heizöl für eine einwandfreie Funktion, da das Kondensat bei hohem Schwefelgehalt zu aggressiver Schwefelsäure wird und den Wärmetauscher angreift.
Premium-Heizöl
Premium-Heizöl (auch: „Super-Heizöl" oder markeneigene Bezeichnungen wie Aral Heizöl Ultimate, Shell Heizöl Plus) basiert auf schwefelarmem EL und enthält zusätzliche Additive. Diese Zusatzstoffe verbessern verschiedene Eigenschaften:
- Fließverbesserer (CFPP-Additive): Senken den Stockpunkt von –6 °C auf bis zu –25 °C, sodass das Heizöl auch bei extremer Kälte fließfähig bleibt – besonders relevant bei Außentanks und langen Zuleitungen im Freien.
- Alterungsschutzmittel (Antioxidantien): Verlangsamen die oxidative Alterung des Heizöls und verhindern die Bildung von Ablagerungen, Schlamm und Harzen. Die Lagerfähigkeit verlängert sich von etwa 2 Jahren auf 5 Jahre und mehr.
- Geruchsstabilisatoren: Reduzieren den typischen Heizölgeruch im Lagerraum, indem sie flüchtige Schwefelverbindungen binden.
- Korrosionsinhibitoren: Schützen Metalloberflächen im Tank und in der Heizungsanlage vor Korrosion, insbesondere an den Kontaktstellen zwischen Wasser (Kondensat) und Metall.
- Thermische Stabilisatoren: Verhindern die Bildung von Verkokungen an der Düse, was den Wirkungsgrad stabil hält.
Der Aufpreis für Premium-Heizöl beträgt in der Regel 3 bis 6 Cent pro Liter. Bei einer Bestellung von 3.000 Litern sind das 90 bis 180 Euro Mehrkosten. Ob sich das lohnt, hängt von Ihrer individuellen Situation ab – die folgenden Abschnitte helfen bei der Entscheidung.
Für wen lohnt sich welche Sorte?
Schwefelarmes EL – der Standard für alle
Schwefelarmes Heizöl EL ist für die allermeisten Heizungsanlagen die richtige Wahl. Es erfüllt die Anforderungen moderner Brennwertkessel und bietet ein hervorragendes Preis-Leistungs-Verhältnis. Wenn Ihr Heizkessel aus den letzten 15 Jahren stammt, sollten Sie ausschließlich diese Sorte oder Premium verwenden. Auch ältere Niedertemperaturkessel profitieren vom geringeren Schwefelgehalt durch saubere Verbrennung und weniger Rückstände.
Premium-Heizöl – wann es sich auszahlt
Die Investition in Premium-Heizöl kann sich in folgenden Fällen lohnen:
- Lange Lagerzeiten: Wenn Sie nur alle 1 bis 2 Jahre nachtanken, schützen Antioxidantien das Heizöl vor Alterung. Bei einem Jahresverbrauch von nur 1.500 Litern und einem 3.000-Liter-Tank ist Premium empfehlenswert.
- Außentanks oder Erdtanks: Der Fließverbesserer verhindert Probleme bei extremer Kälte. Schon bei –10 °C kann Standard-Heizöl Paraffinausfällungen zeigen, die den Filter verstopfen.
- Geruchsempfindlichkeit: Wenn der Heizöltank im Wohn- oder Arbeitsbereich steht, sind Geruchsstabilisatoren spürbar hilfreich.
- Ältere Tankanlagen: Korrosionsinhibitoren können die Lebensdauer um mehrere Jahre verlängern, was den Aufpreis schnell rechtfertigt.
- Heizungsprobleme: Wenn Ihr Brenner häufig verrußt oder der Wartungstechniker Ablagerungen bemängelt, kann der Wechsel zu Premium Abhilfe schaffen.
Bio-Heizöl – ein Blick in die Zukunft
Einige Anbieter führen bereits Heizölmischungen mit einem Bioanteil (meist 5 bis 10 % FAME – Fettsäuremethylester, gewonnen aus Raps oder anderen Pflanzenölen). Solche Mischungen reduzieren den CO₂-Ausstoß rechnerisch um den jeweiligen Bioanteil und können die CO₂-Abgabe (aktuell 55 €/t) anteilig senken.
Allerdings sind nicht alle Heizungsanlagen für Bio-Heizöl freigegeben, und die Lagerbeständigkeit kann eingeschränkt sein: FAME ist hygroskopisch (zieht Wasser an) und begünstigt bei langer Lagerung das Wachstum von Mikroorganismen im Tank (sogenannter „Dieselpest"-Effekt). Fragen Sie Ihren Kesselhersteller, bevor Sie Bio-Heizöl bestellen. Die DIN SPEC 51603-6 regelt die Qualitätsanforderungen für Heizöl mit Bioanteil.
Langfristig wird auch HVO (Hydrotreated Vegetable Oil) als Alternative diskutiert. HVO wird durch katalytische Hydrierung gewonnen, hat keine FAME-typischen Nachteile und ist chemisch kaum von fossilem Heizöl zu unterscheiden. Die Verfügbarkeit und Preisgestaltung entwickeln sich noch.
Lagerung und Haltbarkeit
Heizöl EL ist bei sachgemäßer Lagerung grundsätzlich mehrere Jahre haltbar. Entscheidend sind folgende Faktoren:
- Temperatur: Kühle, gleichmäßige Temperaturen (10–20 °C) verlangsamen die Alterung. Starke Temperaturschwankungen fördern Kondensatbildung im Tank.
- Lichtschutz: UV-Strahlung beschleunigt die Oxidation – Kunststofftanks in hellen Räumen altern schneller.
- Wasserfreiheit: Kondenswasser am Tankboden fördert Korrosion und Mikroorganismenwachstum. Regelmäßige Kontrolle mit einer Wasserprüfpaste ist empfehlenswert.
- Sorte: Premium-Heizöl mit Antioxidantien hält deutlich länger als Standard-EL. Bei Lagerzeiten über 2 Jahre ist Premium die bessere Wahl.
Technische Kennzahlen im Vergleich
Alle Heizölsorten nach DIN 51603-1 müssen folgende Mindestanforderungen erfüllen:
- Heizwert: mindestens 10 kWh/l (unterer Heizwert Hu)
- Flammpunkt: mindestens 55 °C (Sicherheitsanforderung für Lagerung und Transport)
- Dichte bei 15 °C: 0,820 bis 0,860 kg/l
- Viskosität bei 20 °C: maximal 6,0 mm²/s
- Koksrückstand: maximal 0,3 % (Maß für die Verbrennungsreinheit)
Der Unterschied zwischen den Sorten liegt vor allem im Schwefelgehalt und bei Premium zusätzlich in den Additiven. Der Heizwert selbst unterscheidet sich praktisch nicht – alle Sorten liefern die gleiche Wärme pro Liter.
Heizöl bestellen: Die richtige Sorte wählen
Beim Preisvergleich sollten Sie darauf achten, dass die gleiche Sorte verglichen wird. Der Preisunterschied zwischen schwefelarmem EL und Premium beträgt typischerweise 3 bis 6 Cent pro Liter, was bei 3.000 Litern 90 bis 180 Euro ausmacht. Stellen Sie sicher, dass Ihr Händler die gewünschte Sorte auch tatsächlich liefert – auf dem Lieferschein muss die Sortenbezeichnung eindeutig angegeben sein. Bei Reklamationen wegen falscher Sorte oder mangelhafter Qualität haben Sie Ansprüche nach dem Kaufrecht (§437 BGB), sofern Sie den Mangel rechtzeitig anzeigen.
Tipps zur Heizölqualität
- Lieferschein aufbewahren: Auf dem Lieferschein ist die gelieferte Sorte, Menge und der Eichstempelnachweis des Tankwagens dokumentiert – wichtig im Reklamationsfall und für die Heizkostenabrechnung.
- Geruchsprobe: Frisches Heizöl riecht leicht nach Petroleum. Ein stechender, saurer oder fauliger Geruch deutet auf Alterung oder mikrobiellen Befall hin.
- Farbcheck: Heizöl ist rot eingefärbt (Kennzeichnung als steuerbegünstigtes Heizöl nach EnergieStG). Eine Verdunklung ins Braune oder Schwarze kann auf Qualitätsverlust oder Oxidation hindeuten.
- Wassertest: Wasser im Tank ist der häufigste Grund für Heizungsstörungen. Spezielle Wasserprüfpasten (am Ölpeilstab) zeigen, ob sich Wasser am Tankboden gesammelt hat.
- Restmengen im Tank: Vermischen Sie bei der Nachbestellung idealerweise nicht alte und neue Lieferungen über lange Zeiträume. Tankreinigung vor einer Neubestellung nach langer Standzeit kann sinnvoll sein, um Schlamm und altes Kondenswasser zu entfernen.
Fazit
Für die meisten Haushalte ist schwefelarmes Heizöl EL die optimale Wahl – es ist bei 112,50 €/100 l günstiger als Premium, verbrennt sauber und ist kompatibel mit modernen Brennwertkesseln. Premium-Heizöl bietet zusätzliche Vorteile bei langer Lagerung, Außentanks oder empfindlichen Anlagen. Achten Sie bei der Bestellung auf die Sortenbezeichnung, prüfen Sie den Lieferschein und lassen Sie bei Zweifeln an der Heizölqualität eine Tankreinigung durchführen.
Aktuelle Heizölpreise nach Bundesland
| Bundesland | Ø-Preis (3.000 l) |
|---|---|
| Baden-Württemberg | 112,48 €/100 l |
| Bayern | 112,51 €/100 l |
| Berlin | 112,79 €/100 l |
| Brandenburg | 112,45 €/100 l |
| Bremen | 112,59 €/100 l |
| Hamburg | 112,26 €/100 l |
| Hessen | 112,61 €/100 l |
| Mecklenburg-Vorpommern | 112,60 €/100 l |
| Niedersachsen | 112,55 €/100 l |
| Nordrhein-Westfalen | 112,52 €/100 l |
| Rheinland-Pfalz | 112,56 €/100 l |
| Saarland | 112,73 €/100 l |
| Sachsen | 112,30 €/100 l |
| Sachsen-Anhalt | 112,40 €/100 l |
| Schleswig-Holstein | 112,41 €/100 l |
| Thüringen | 112,44 €/100 l |
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